IG Plakat | Raum | Gesellschaft - HÄUFIGE FRAGEN

 
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Was ist Aussenwerbung? Was ist Plakatwerbung?
Aussenwerbung hat viele Formen: Papierplakate, Leuchtplakate, Bildschirme (eBoards), Leuchtschriften, Megaplakate, kurz: Werbung aller Art, die auf öffentlichem Grund steht oder von diesem aus sichtbar ist. Aussenwerbung wird in der Praxis oft als Plakatwerbung, Out-of-Home oder Outdoor bezeichnet.

Ist Aussenwerbung andernorts verboten?
Zuverlässige Zahlen und Aufstellungen sind nicht erhältlich. In den USA sind die Bundesstaaten Vermont, Alaska, Maine und Hawaii frei von Aussenwerbung. Rund 1500 amerikanische Städte und Dörfer haben Aussenwerbung verboten (Quelle: Scenic America). In Kanada ist die Provinz Prince Edward Island aussenwerbungsfrei und in Südamerika die Metropole São Paolo (Link). In Europa gibt es verschiedene Städte, wie Bergen (N) (Link) oder Maastricht (NL), die sich gegen Aussenwerbung ausgesprochen haben oder diese mit sehr restriktiven Regeln handhaben. Im Hinblick auf die Olympiade in 2008 wurde in Peking Aussenwerbung für Luxusgüter verboten (Link).
Weitere sind willkommen.

Wie steht die Schweiz im internationalen Vergleich da?
Die Schweiz hat pro Kopf rund 2x so viele Plakatstellen wie Frankreich, 3x so viele wie Deutschland, 5x so viele wie Italien und 7x so viele wie Grossbritannien (Quelle: Werbefibel 2006). In der Schweiz werden rund 15% aller Werbeausgaben in Plakatwerbung gesteckt. Das ist zumindest in Europa (Durchschnitt: knapp 9%) ein Spitzenwert (Quelle: Affichage Holding).

Was sind häufige Gründe für eine Reduktion von Aussenwerbung?
1. Werbung im öffentlichen Raum kann nicht umgangen werden. Da alle, gerade in einer Stadt, sich naturgemäss auf der Strasse bewegen, können sie nicht wählen, ob sie die Werbung wie im Fernsehen in Kauf nehmen wollen oder nicht. Dieser Zwang zum Werbekonsum ist inakzeptabel.

2. An den meisten Orten verschandelt Plakatwerbung schlicht das Ortsbild, insbesondere in Dörfern, auf Wiesen und Feldern, aber auch in der Stadt. Zu sagen, Plakate gehörten zum Stadt- oder Ortsbild, ist ein Armutszeugnis für Ideenlosigkeit.

3. Werbung im öffentlichen Raum dient keinem unmittelbaren Zweck wie etwa Werbung in Zeitungen das Produkt finanziert. Aussenwerbung ist primär Werbung um der Werbung Willen.

4. Die Einnahmen von Städten, Gemeinden und öffentlichen Verkehrbetrieben durch Werbung sind marginal: Bei den VBZ sind es 2.6 Prozent des Ertrags, bei der Stadt Zürich 0.04 Prozent (mehr dazu).

5. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Werbeindustrie ist jene, dass Werbung den Gesamtkonsum nicht erhöht, was heisst, dass sie volkswirtschaftlich irrelevant ist (mit Ausnahme der Werbewirtschaft selbst). Was Werbung hingegen leisten kann, ist die Verschiebung von Marktanteilen zugunsten der Werbenden. Die IG PRG ist der Meinung, dass dieser Kampf um Marktanteile nicht im öffentlichen Raum ausgetragen werden sollte. Es gibt genügend andere Werbekanäle.

6. In einer bereits sehr konsumorientierten Gesellschaft brauchen Menschen einen gemeinsamen Raum, in dem sie sich jenseits der Konsumforderung erholen können. Die Allgegenwart der immergleichen Botschaften sind einer Gesellschaft, die ökonomisch zunehmend von neuen Ideen lebt (Stichwort Wissensgesellschaft), abträglich.

Sieht Zürich ohne Werbung nicht aus wie die Städte im ehemaligen Ostblock?
Im ehemaligen Ostblock gab es keine Aussenwerbung und die dominante Farbe war grau. Im Westen sah und sieht die Lage ganz anders aus.

Der Philosoph Vilém Flusser beschreibt dies folgendermassen:
«Übrigens ist einer der Gründe für den Eindruck rückkehrender Besucher aus sozialistischen Ländern, in der Vergangenheit gewesen zu sein, die Farblosigkeit jener Länder: Unsere Farbexplosion hat dort nicht stattgefunden. Unsere Umgebung ist von Farben erfüllt, welche Tag und Nacht, in der Öffentlichkeit und im Privaten, kreischen und flüsternd, unsere Aufmerksamkeit erheischen. Unsere Strümpfe und Pyjamas, Konserven und Flaschen, Auslagen und Plakate, Bücher und Landkarten, Getränke und Ice-creams, Filme und Fernsehen, alles ist in Technicolor.»
(Vilém Flusser, Medienkultur. Frankfurt: Fischer, 1997)

Wer ist die IG Plakat|Raum|Gesellschaft (IG PRG)?
Die Interessensgemeinschaft Plakat | Raum | Gesellschaft ist ein in Zürich ansässiger Verein. Sie setzt sich mit der Beziehung zwischen der Gesellschaft, dem öffentlichen Raum und der Werbung im öffentlichen Raum auseinander. Sie setzt sich dafür ein, dass das Werbevolumen im öffentlichen Raum, insbesondere in Stadt und Kanton Zürich, reduziert wird.

Ist IG PRG allgemein gegen Werbung?
Nein. IG PRG lehnt Werbung nicht im Allgemeinen ab, sondern wendet sich nur gegen Werbung im öffentlichen Raum. Die IG PRG unterscheidet zwischen Werbung, die in einem medialen Umfeld betrieben wird und solcher, die im physischen Umfeld steht. Das heisst: Die IG PRG hat nichts gegen Werbung in Radio, Printprodukten, Fernsehen oder im Internet; sie hat auch nichts gegen Werbung an Anlässen oder an Orten wie in Restaurants. Die IG PRG wendet sich gegen Werbung im öffentlichen Raum. Das heisst: Bei Strassen, an Plätzen, in und um öffentliche Gebäude und in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Unterscheidet die IG PRG generell zwischen verschiedenen Inhalten von Aussenwerbung, sagen wir, zwischen Werbung für Hilfswerke oder Werbung für Zigaretten? Was sagt die IG PRG zu diskriminierender oder sexistischer Werbung?
Das Thema der IG PRG ist der Ort der Werbung, nicht deren Inhalt. Darüber, was inhaltlich stört, gut, schlecht oder ästhetisch ist, lässt sich endlos diskutieren.

Akzeptiert die IG PRG gewisse Formen von Aussenwerbung?
Ja. Die IG PRG anerkennt das Recht von Unternehmen, auf Gebäuden, in denen sie ein Geschäft unterhalten, Werbung in eigener Sache zu betreiben. Allerdings soll hier Mass gehalten werden. Wahlplakate sind wichtig für die Meinungsbildung in einer demokratischen Kultur und deshalb unerlässlich. Zudem ist ihre Präsenz zeitlich begrenzt. Kultur- und
Kleinplakate weisen zumeist auf Lokales hin und sind Teil einer Stadtkultur.

Was sagt die IG PRG zum Arg ument, dass alle beteiligten Branchen (Werbebüros, Plakatgesellschaften, Druckereien etc.) ohne Aussenwerbung wirtschaftliche Einbussen hinnehmen müssten — zum Leidwesen der Gesellschaft?
Ein Plakat, das zweihundert Mal gedruckt wird, braucht deswegen nicht mehr Plakatgrafiker. Die Plakatgesellschaften können für weniger Plakate mehr verlangen, da diese auch mehr gesehen werden. Wenn ein Plakat anstatt 4 Wochen bloss 2 Wochen hängt, kommen mehr Firmen in den Genuss von Plakatwerbung und die Plakatierer haben gleich viel Arbeit.

Wie bei den Nachtfahrverboten ist es letztlich eine Güterabwägung: will man jeden Tag ungefragt Werbung gegenüberstehen oder nicht? Und wenn nein, nimmt man dafür in Kauf, dass sich verschiedene Branchen umorientieren müssen? Zudem darf man nicht vergessen: wo es Verlierer gibt, gibt es auch Gewinner. Weniger Aussenwerbung birgt Chancen für viele Unternehmen: die Medien, denen durch Aussenwerbung Einnahmen entgehen, könnten wieder mit höherem Werbevolumen rechnen. Oder kleine Unternehmen, welche über nicht so grosse Werbeetats verfügen, werden vermehrt gesehen und können so profitieren.

Weshalb hat die IG PRG eine Petition und nicht eine Volksinitiative lanciert? Worin unterscheiden sich eine Petition und eine Volksinitiative?
Eine Petition ist eine schriftliche Eingabe in Form einer Bitte, einer Beschwerde oder eines Appells an die dafür zuständige Behörde, Volksvertretung oder entsprechende Verantwortliche. Behörden in der Schweiz müssen sie zur Kenntnis nehmen, sind aber nicht gezwungen, auf sie einzugehen.Sie ist kein rechtlich verbindliches Instrument der politischen Äusserung, weshalb sie auch von Personen unterschrieben werden kann, die nicht das Schweizer Bürgerrecht besitzen.

Die Volksinitiative ist eines der grundlegendsten direktdemokratischen Rechte in der Schweiz; mit den in der Verfassung festgelegten Anzahl Stimmen, die innert einer festgesetzten Frist gesammelt werden müssen, kann eine Verfassungsänderung (bei Bund und Kantonen) oder eine Gesetzesänderung (bei Kantonen) gefordert werden, auf welche die Volksvertretung durch den verbindlichen Charakter der Initiative eintreten muss. Lehnt die Volksvertretung den Inhalt der Initiative ab, muss sie diese dem Volk zur Abstimmung unterbreiten. Im Kanton Zürich werden 6000 Unterschriften benötigt, in der Stadt Zürich 3000.

Die IG PRG hat sich für eine Petition entschieden, da alle betroffenen Personen unabhängig von Wohnort und Bürgerrecht unterschreiben können, also auch Pendlerinnen und Touristen, Kinder und Jugendliche, Wochenaufenthalter und Ausländerinnen. Ein zweiter Grund ist, dass die IG PRG der Ansicht ist, es müssen keine kostspieligen gesetzlichen Änderungen erwirkt werden, wenn es auch mit anderen Mitteln geht. Die Meinungsäusserungsfreiheit, auch in ihrer kümmerlichsten Form, der kommerziellen Kommunikation, soll auf Gesetzesebene nicht beeinträchtigt werden.

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